Nr. 64·Oktober 2002
Berlin,
Berlin...
Eine hat dort noch einen Koffer
stehen, und die Delegierten der DiAGen der 27 Diözesen packen demnächst die
ihren, um erstmals in ihrer Geschichte in Deutschlands Hauptstadt einen neuen BAG-MAV-Vorstand
zu küren. Ob es wieder der alte sein wird?
Sicher nicht, denn einer ist schon
aus dem Rennen. Rainer Hengst, im Vorstand seit zwei Amtsperioden vor allem als engagierter Vertreter der
nordrheinwestfälischen Krankenhausmitarbeiterinnen aktiv, und zahlreichen MAVen
durch die entsprechenden Fachtagungen sowie durch MAVO-Schulungen in den Neuen
Bundesländern bekannt, kandidiert nicht mehr.
Die anderen Vorstandsmitglieder
werden wohl ihren Hut wieder in den Ring werfen. Petra Grütering, die Röntgenassistentin
aus Marl und Mitgestalterin der Krankenhaustagungen, Günter Däggelmann, der
Lehrer aus Ettenheim und ideenreiche, eloquente Vorsitzende, der Göttinger
Schulassistent Wolfgang Böttcher, sein nicht minder erfahrener Stellvertreter
und famoser Tagungsorganisator, und last
not least, der „Schreibzwerg“ des Vorstands, der Münchner Psychologe
Wolfgang Becker-Freyseng.
Dieses Vorstandsteam hat in den
Jahren seines Wirkens die BAG-MAV zu einer anerkannten, sachkundigen und
wirkkräftigen Organisation gestaltet. Davon geben die jährlichen
Vollversammlungen mit zugkräftigen Referenten, die ausserordentlichen
Vollversammlungen mit ihrem dicht gedrängten Arbeitsprogramm und die
qualifizierten Stellungnahmen bei mannigfachen Anhörungen ein beredtes Zeugnis.
Vor allem die MAVO-Arbeitsgruppe unter Leitung von Wolfram Schiering hat daran
maßgeblichen Anteil. Auch für die Weiterentwicklung der DiAGen wurden
wesentliche Anstöße gegeben: Die Arbeitsgruppe „Vision und Struktur“ unter
Stefan Karus hat sich hier besondere Verdienste erworben. Branchentypischen
Problemen widmete sich die BAG-MAV, wie schon erwähnt, mit den
Krankenhaustagungen der beiden Krankenhausspezialisten Petra
Grütering und Rainer Hengst.
Die gravierenden Veränderungen im
Caritasbereich mit der deutlichen Hinwendung zu mehr marktwirtschaftlichen
anstelle von dienstgemeinschaftlichen Vorstellungen forderten eine politische
Offensive der BAG-MAV geradezu heraus. Hier schlug sich der Vorstand wacker und
hat, wie man immer wieder von Dienstgebern und sogar aus dem VDD hört, „sich
besser positioniert als die Dienstgeberseite“. Als besonders nachhaltig erwies
sich der Vorstoß, die ungenierte Vermischung von Dienstgeber- und
Gesetzgeberinteressen im kirchlichen Bereich anzuprangern, ein Vorwurf, der bis
heute immer wieder neue Versuche zeitigt, vergeblich das Gegenteil beweisen zu
wollen. Jüngstes Beispiel: Das Marathonanhörungsverfahren zur MAVO-Novellierung
und der unsägliche neue Gesetzentwurf.
Dass es angesichts einer zunehmend
eindeutig Arbeitgeberinteressen vertretenden kirchlichen Dienstgeberseite
geradezu widersinnig wäre, dass sich die Mitarbeiterseiten der kirchlichen
Mitbestimmung und des Dritten Weges gegenseitig Konkurrenz machen oder sich gar
gegeneinander ausspielen lassen, veranlasste die BAG-MAV, die Idee von „IgMiCK“
offensiv aufzugreifen, also die Bündelung der Interessen von Mitarbeiterinnen
in Caritas und Kirche. Zwei Tagungen und diverse Kontakte an der Basis bringen
dieses zarte Pflänzchen erstaunlich rasch zum wachsen. Allerdings sind noch
längst nicht alle Meinungsführer der diversen Gruppierungen von der
Notwendigkeit einer gemeinsamen Interessenvertretung überzeugt. Unbestritten
ist jedoch inzwischen, dass die Mitarbeiterseite, wo auch immer aufgestellt,
ihre Interessen selbst vertreten kann und muss.
Das Berliner Programm der
Jahresdelegiertenversammlung zeugt von der inzwischen gewachsenen Bedeutung der
BAG-MAV als anerkannter Mitgestalter im kirchlichen Meinungsspektrum: Kardinal
Sterzinsky feiert mit den Delegierten eine Heilige Messe und und verweilt zum Gespräch,
Bundespräsident Rau empfängt die Delegierten in Schloss Bellevue, eine
Vertreterin der neuen Bundesregierung diskutiert mit den Delegierten die
Probleme im stationären und ambulanten Pflege- und Versorgungsbereich. Der
Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken Prof. Dr. Meyer wird
über die Arbeit seines Verbandes berichten und der Leiter des Kommissariats der
Deutschen Bischöfe wird die Arbeit des katholischen Büros vorstellen. Nicht
zuletzt wird Generalvikar Peter Wehr das Berliner Erzbistum vertreten und
sicherlich die letzten Groschen zusammenkratzen, um bei Bier und Buletten den
Delegierten zu zeigen, was 'ne echte Harke ist. Und was natürlich in Berlin dazugehört:
Der Abgeordnete Peter Weiß CDU hat den Delegierten in der Mittagspause eine
Reichstagsbesichtigung ermöglicht. Da gerät die Vorstandswahl fast in die
Gefahr, in Bedeutungslosigkeit zu versinken. Aber wer weiß, das kann sich ja
noch ändern.
Eins ist jedenfalls schon sicher:
Auch wenn es sehr anstrengend wird und wie auch immer diese Wahl ausgehen wird,
die meisten Delegierten werden sagen: Berlin war eine Reise wert!
wbf